Alltag im besetzten Land – Teil 1

17. Januar 2026

Mein Glücksgefühl, das ich bei meiner Ankunft in Jericho empfand, wurde bald danach durch einen Vorfall am späten Abend unterbrochen.

Milad war mit seinem Sohn Nishan mit dem Auto auf dem Weg nach Hause. Da kam ihm plötzlich ein Fahrzeug mit sehr grellen Scheinwerfern entgegen – er stoppte den Wagen und blieb am Straßenrand stehen. Erst als sein Auto gleich darauf seitlich gerammt wurde, realisierte er, dass zwei israelische Militärfahrzeuge mit großem Tempo an ihm vorbeifuhren. Trotz des Unfalls setzten sie ihre Fahrt ohne anzuhalten fort. Der Fahrer des ersten der robusten Militärfahrzeuge hatte Milads Auto wohl absichtlich gerammt, obwohl die Straße, wie ich am nächsten Tag selbst gesehen habe, genug Platz bot.  Das zweite Fahrzeug konnte ja auch ohne Probleme vorbeifahren.

Schwer geschockt kamen Milad und der fünfzehnjährige Nishan zu Fuß zuhause an. Glücklicherweise waren beide unverletzt, das Auto ist aber auf der Fahrerseite massiv beschädigt. Das Hinterrad stand schief, hier war wohl die Achse verbogen. Das Rad wurde bereits notdürftig repariert.  Die vollständige Reparatur ist möglich, wird aber einige tausend Euro kosten.

Wir wären froh, wenn Menschen dafür mit einer zweckgebundenen Spende helfen könnten, denn Milad ist für seine Arbeit im Haus of Hope auf das Auto angewiesen. Derzeit muss er täglich Geld für das Sammeltaxi ausgeben, da es keine Busverbindung gibt.

Bitte spenden Sie auf das Konto Waldorf Betania: AT42 3500 0000 4215 5465. BIC: RVSAAT2S. Verwendungszweck: Autoreparatur

Der Inhaber eines Ausflugsrestaurant erzählte uns am Tag nach dem Unfall, dass das Militär direkt auf sein geparktes Auto draufgefahren sei. Als Milad bei seiner Versicherung anrief, wurde ihm gesagt, dass es eine Regelung gebe, dass keine Versicherung mehr für Schäden aufkommt, die durch das israelische Militär oder durch Siedler verursacht werden. Denn derartige Vorfälle seien an der Tagesordnung und es würden pro Monat im Schnitt 200 Autos von Palästinensern durch das Militär und Siedler, die Autos auch anzünden, zerstört.

Milad und andere Menschen sagen, dass diese exzessive Form der Gewalt neu ist und in den letzten Monaten massiv zugenommen hat. Vor allem im Stadtgebiet von Jericho war das Leben bis vor einiger Zeit relativ ruhig und entspannt. So habe ich es auch bei meinen früheren Besuchen in der Stadt erlebt.

Rainald Grugger